MELODY IN LOVE

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Regie: Hubert Frank
BR Deutschland 1978, ca. 90 Min., 35mm, FSK 18

Eine junge Frau erlebt beim Urlaub auf Mauritius einen bunten Reigen sexueller Abenteuer. Deutscher Sexploitation-Film von Hubert Frank völlig jenseits der Genreformeln von „Report“- und „Lederhosen“-Filmen. Postkarten-Ästhetik und brodelnde Lavaströme, toller Easy Listening-Sound von Gerhard Heinz und Sascha Hehn in einer seiner herrlich-schmierig 70er Jahre-Rollen!

Hubert Franks Regie-Karriere lässt sich grob in zwei Phasen unterteilen: In den Spät-60ern bis in die Früh-70er hinein verschrieb er sich zumeist der Frivol-Erotik. Mit solch eloquenten Titeln wie UNTERM RÖCKCHEN STÖSST DAS BÖCKCHEN oder MUSCHI MAUS MAG’S GRAD HERAUS.
Doch als 1974 Just Jaeckins EMMANUELLE in die Kinos kam, bedeutete das für ihn, eine radikale Kurskorrektur einzuschlagen. Die grobe Fahrtrichtung stand zwar immer noch auf Erotik, aber nun eben weg vom Feuchtfröhlichen und hin zum Edel-Softcore. In den Jahren zwischen 1977-86 drehte Frank 10 Filme, die jener von EMMANUELLE ausgelösten High-Class-Erotic-Welle zuzuordnen sind.
MELODY IN LOVE ist einer davon – und was für einer! Dass der Plot bei solchen Filmen eher eine untergeordnete Rolle spielt, ist eine alte Platitüde, die so allerdings nicht ganz stimmt, denn natürlich braucht gute Erotik ein Fundament: Die junge Melody besucht ihre ältere und sexuell sehr freizügig lebende Cousine auf Mauritius. Die Grande Dame führt Melody in die bunte Welt der Liebe ein. Sicher, eine genretypische Storyline, aber es ist vielmehr das sinnliche Erleben, was solche Filme ausmacht. Und was das angeht, fährt Frank volles Geschütz auf. Das exotische Setting von Mauritius wird hier von Kameramann Franz X. Lederle vortrefflich eingefangen. Das Gleiche gilt für die stilvoll gefilmten und ausgeleuchteten Sex-Szenen. Das Ganze wird durchzogen von einem catchy Ohrwurm, den man noch Tage später in sich hineinsummt. Aber in all diese Ästhetik, die wahrlich keinen Vergleich zu seinen französischen oder italienischen Pendants zu scheuen mag, taucht Frank auch einige Schmierlappigkeiten ein, die den Film nochmal in eine ganz andere Dimensionen knüppelt. Wahrlich eine verborgene Perle des deutschen Films, die es unbedingt zu entdecken gilt!
Die hier gezeigte Kino-Fassung enthält (min.) eine Szene, die in der alten deutschen VHS (Euro-Bavaria bzw. Atlas Video) fehlt und ist somit die längste Version weltweit (ausländische Tapes sind noch mehr zensiert als das deutsche).

Freitag, 07. April – 22:30 Uhr